Die Wahrheit über das Muttersein

Überall lesen wir immer nur: „Du machst unser Glück komplett“
„Muttersein ist das Schönste auf der Welt“… bla, bla,bla.

Keiner redet mal über die negativen Aspekte oder?

Muttis, Hand auf’s Herz: Wie oft wurdet ihr heute schon gerufen?
Ich nehme mir jeden Abend vor, am nächsten Tag eine „Mama-Strichliste“ zu machen.
Ganz ehrlich, um 4.21 Uhr denke ich aber nicht daran, wenn ich das erste Mal gerufen werde.

„Mamaaaaa, ich hab Durst, bring‘ mir bitte was zum Trinken!“
„Lionel, du bist alt genug, steh‘ selber auf!“
„Aber es ist dunkel, ich hab‘ Angst!“
-Mutti steht auf-

Kaum lege ich mich ins Bett und schlafe wieder ein, ist es 6.30 Uhr und Lionel steht auf.
Einmal muss ich mir schon auf die Schulter klopfen, denn mittlerweile steht er am Wochenende morgens alleine auf, geht „leise“ ins Wohnzimmer und schaltet sich den TV ein, bis ich aufstehe.
genau, „leise“. Ich werde natürlich schon wach, wenn er die Tür aufmacht. Kaum laut…
Du denkst jetzt, er setzt sich auf’s Sofa und Stille kehrt ein. hahaha… witzig. Der Fernseher ist so laut, dass ich im Nebenzimmer jedes Wort das im Fernsehen gesprochen wird, verstehe.

„LIONEL! Mach den Fernseher leise!“
„LIONEEEEL!“
„LIONEEEEEL!“

Lionel: „Wie bitte?“

Schulterklopfer Nummer zwei. Jedes andere Kind würde „Hä“ oder „Was denn“ rufen. Mein Kind (und jeder der meine Instastories guckt, kann es bezeugen) sagt, wenn er etwas nicht verstanden hat, „wie bitte?“

„Bitte mach den Fernseher leise!“
„Aber ich weiß nicht wie das geht!“
„Dann komm her und ich zeige dir den Knopf auf der Fernbedienung.“

Mittlerweile ist es schon 7.00 Uhr. Lionel ruft wieder:
„Mama, wann stehst du endlich auf, ich habe Hunger!“
„Dann geh‘ in die Küche und mach‘ dir Cornflakes, du weißt doch wie das geht!“
„Ich komm‘ aber nicht an die Schüsseln dran!“
„Dann nimm den Hocker!“

Lionel watschelt in die Küche (Tür wird wie immer super leise geöffnet #nicht).
Schublade auf. Löffel raus. Schublade zu. Hocker vor den Schrank. Einmal draufsteigen. Keine Schüsseln mehr in dem Schrank.

„Mamaaaa, da sind keine Schüsseln mehr im Schrank!“

Ich schon voll am Ausrasten und überlegen, wie ich mich am besten selbst umbringe.

„Lionel, dann schau doch in der Spülmaschine.“
„Was ist die Spülmaschine?“

 

Herr Gott im Himmel. 7.30 Uhr. Ich bringe mich um. Ich habe bis 1.00 Uhr gearbeitet.
Natürlich bin ich zwischenzeitlich wieder aufgestanden und habe ihm geholfen die Spülmaschine zu öffnen.
Allerdings habe ich wieder super Laune. Dass ich ein Morgenmuffel bin, ist glaube ich schon lange kein Geheimnis mehr.
Bringt alles nichts. Erstmal ins Bad gehen. Du denkst, du hast auf dem Klo fünf Minuten Ruhe?
Ach wie süß du bist. Ich sitze auf dem Klo und höre mir Geschichten über Bastian Schweinsteiger an, weil ich mich so sehr für Fußball interessiere. Wenn dein Sohn dir etwas über Fußball zu erzählen hat, hat es dich gefälligst zu interessieren.
Ich habe keine Ahnung wovon er spricht, aber nicke freundlich und sage: „Krass Lionel. Nein, das wusste ich nicht, sehr spannend.“

„Ich gehe jetzt duschen. Musst du auf Toilette?“
„Nein, ich muss nicht!“

Klamotten aus, Dusche an. Das Wasser läuft eine Minute.

„Mamaaaa, ich muss ganz ganz ganz dringend Pipi!“

Verdammte Scheisse. Ist das sein fucking Ernst?
Ok Dési. Beherrsche dich. Nicht ausrasten.

„Lionel. Ich habe dich vor einer Minute gefragt, ob du auf Toilette musst, da hast du nein gesagt. „
„Ja, da musste ich ja auch noch nicht, mach bitte auf, sonst pinkle ich mir in die Hose!“

Ich springe aus der Wanne, fliege fast auf die Fresse, weil meine Füße nass sind und Lionel rennt auf den Pott. Kind spült, geht raus. Tür steht offen.

„Lionel. Kannst du BITTE die Türe schließen, es zieht!“
„Ohhh ich krieg‘ die Tür nicht richtig zu!“

Ich springe wieder aus der Dusche, schließe die Tür zu und springe zum DRITTEN Mal unter die Dusche.
8.00 Uhr. Es ist 8.00 Uhr. Jeder andere Mensch steht jetzt ganz gemütlich auf, macht sich ’nen Kaffe und wird erstmal wach. Ich nicht. Ich wurde schon ungefähr 50 mal gerufen. Meine Haare sind nass, also mache ich den Föhn an.
Neben meiner Badtür ist die Eingangstür. Auf einmal höre ich, dass mein Kind sich unterhält. Ich öffne die Tür uns sehe, wie er sich mit dem Jungen von nebenan über Star Wars unterhält.

„Lionel, dein Ernst? Du kannst nicht einfach die Tür aufmachen, wenn ich im Bad bin und nichts höre! Stell dir vor, da steht ein fremder Mann und klaut dich!“

#thestruggleisreal #Erziehungsmaßnamen

 

Kind guckt eingeschnappt auf den Boden und fängt an, an den Nägeln zu kauen. Wo ist das Buch vom Struwwelpeter? Erstmal die Geschichte vom Daumenlutscherbub erzählen, damit das endlich ein Ende hat! Kranke Geschichte, die Story hat gesessen. Früher hatten die Geschichten wenigstens noch eine Moral.

OK, ok,ok. Weiter geht’s. Mein Kind muss natürlich auch geduscht werden.

„Lionel, mach dich nackig, du duschst jetzt!“
„Oh Mann Mama, ich hab doch gestern schon geduscht!“
„Ja und? man muss jeden Tag duschen.“

Kind zieht die Unterhose aus und was siehst du? ‚Ne Bremsspur, die von hier bis nach Buxtehude reicht.
Wer darf das waschen? Genau, die Muddi.

Egal. Kind ist nackig, jetzt wird erstmal geduscht. Während er sich abtrocknet, suche ich seine Anziehsachen. Die Socken haben mal wieder zusammen gerechnet fünf Löcher und die neue Jeans, die ich letzte Woche erst gekauft habe, hat ebenfalls rechts und links ein Loch. Wie das passieren konnte? Wenn dein Sohn denkt sein Nachname sei Messi, brauchst du dich nicht wundern. Nur noch Jogginghosen für die KiTa!

Wie viel Uhr ist es jetzt? Keine Ahnung. Habe meine Uhr vor lauter, lauter verlegt.
Super. Wo ist mein Kind schon wieder hin? In der Küche vor der Waschmaschine. Er hat den ganzen Korb mit der Dreckwäsche ausgeräumt.

„Lionel, was machst du denn da?“
„Ich suche mein Trikot!“
„Lionel, das ist noch nicht gewaschen, das hattest du gestern an!“
„Mannooo, immer sagst du nein! Nie wäschst du mein Trikot!“

8.30 Uhr. Kind muss in den Kindergarten.

„Lionel, mach hinne, du kommst sonst zu spät zur Morgenrunde!“
„Ich will mein Trikot anziehen!“
„DEIN TRIKOT IST DRECKIG!“
„Ich will es aber anziehen!“
„NEIN!“
„DOCH!“
„NEIN!“
„DOCH!“
„Mit Eltern diskutiert man nicht! Zieh‘ jetzt deine Schuhe an, sonst gibt es Fernsehverbot!“
„OHHH MANN!!!Immer sagst du Nein!

-Kind weint, weil die Mutter IMMER „Nein“ sagt.

Vor dem Kindergarten halte ich mit dem Auto an. Lionel gibt mir einen Abschiedskuss, steigt aus und nimmt ganz undercover seinen roten Ball mit.

Er denkt, ich hätte nicht gesehen, dass er den Ball heimlich mitnimmt.
Ich muss lachen. Du machst mein Glück komplett.

Das könnte dir auch gefallen...

5 Kommentare

  1. I finally read your blog.
    You’r such a special and funny woman.
    I don’t have children but I know it’s not always easy to raise up children next to your busy work schedule
    Respect,respect.
    But live is hard so love and enjoy the little moments in life.
    And keep on writing🌺
    Love to follow a great person like you.

  2. Hell yesss! Bin zwar nur ein Pappi, wundere mich aber gerade, woher du meinen Sohn kennst? 😉 Es scheint doch überall fast gleich zu sein. Nur das ich schon um 5 aufstehe…

    LG
    Markus

  3. Eigentlich bin ich wegen dem neuen Blogpost auf deine Seite gekommen, aber irgendwie hat mich diese Überschrift vorerst mehr interessiert.

    Es ist einfach authentisch wie du schreibst und da ich deinen Insta Stories folge, kann ich mir wunderbar die Dialoge dazu vorstellen 😀 es ist herzergreifend, besonders zum Schluss. Du zeigst die Schattenseiten, die man sonst verschweigt, aber das mildert keineswegs den Eindruck von Glück, dass du letzten Endes empfindest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.