Selbsteinschätzung

Hallo meine Lieben,

In den letzten Tagen habe ich viel nachgedacht.
Nein, ich habe nicht wie so ein Opfer vor dem Fenster gesessen und ins Leere geschaut, ich habe mich unter anderem viel mit befreundeten Fotografen und Models unterhalten. Es ging um das Thema „Selbsteinschätzung“.

Als ich vor fünf Jahren anfing zu Fotografieren, hätte ich niemals gedacht, dass ich das eines Tages beruflich machen würde. Niemals hätte ich gedacht, dass ich so viele Menschen mit meinen Fotos in den Bann ziehen würde.
Aus einem Hobby wurde Leidenschaft. Die Menschen spürten plötzlich meine Liebe zur Fotografie.
Ich wollte, dass ihr mich besser kennenlernt und wisst, wer hinter diesen Fotos steckt.
Auf Facebook und Instagram begann ich zu bloggen. Regelmäßig schrieb ich kurze Geschichten über das Shooting oder gab Informationen über mich Preis. Irgendwie reichte mir das nicht und ich erstellte nach monatelanger Überlegung einen Blog.
Plötzlich erreichten mich täglich Nachrichten. Unfassbar Liebe Nachrichten. Meine Follower hatten plötzlich das Gefühl mich zu kennen.

Allerdings waren auch Menschen dabei, die das Gefühl hatten, mich etwas zu gut zu kennen.


Als ich vor einigen Jahren mit der Fotografie begann wusste ich, dass es ein langer, anstrengender Weg wird. Es gibt Fotografen wie Sand am Meer. „Ich muss auffallen, einen eigenen Stil entwickeln und den Leuten das Gefühl geben, mich zu kennen“.
Immer wieder ging mir das durch den Kopf. Ich wusste, das ich noch viel lernen musste. Viele Jahre fotografierte ich nur Freunde. An erfahrene Models hätte ich nicht mal im Traum gedacht. Wieso? Weil ich noch nicht bereit war. Mein Portfolio war nicht aussagekräftig genug und das war mir bewusst.

Die Menschen werden immer wählerischer. Ja, auch ich. Damals habe ich fast jeden fotografiert. Damals habe ich mit der Fotografie allerdings noch kein Geld verdient, es war schließlich nur ein Hobby.
Als ich meine neue Kamera bekam, nahm ich all meinen Mut zusammen und bewarb mich bei unterschiedlichen Models. Auch ich bekam viele Absagen, ja. Aber das war nicht schlimm. Das gehört dazu. Kunst liegt im Auge des Betrachters und nicht jedem gefällt die eigene Arbeit. Wichtig ist, dass man den Kopf nicht in den Sand steckt und weitermacht.

Umso bekannter ich wurde, desto mehr Anfragen erreichten mich täglich für freie Projekte.
Klar freute ich mich, dass so vielen Menschen meine Arbeit gefiel, allerdings waren viele Models dabei, die absolut nicht in mein Portfolio passten. Kurze Haare, Tattoos und/oder Piercings. Ja, sogar Männer bewarben sich bei mir. Seit wann fotografiere ich Männer? Habe ich was verpasst?
Ich fühlte mich nicht mehr geehrt. Ich hatte das Gefühl, dass die Bewerber sich meine Bilder nicht richtig ansahen.
Ich fing an Bewerbungen zu ignorieren (das machte ich eine ganze Weile!).

Irgendwann fand ich es allerdings doof, den Leuten kein Feedback zu geben. Viele Leute ließen nicht locker und schrieben immer wieder.
Ich wusste, dass ich ehrlich sein musste (was auch sonst meine Art ist). Die Bewerber auf Dauer zu ignorieren war einfach nicht die Lösung.
Wenn mir jemand optisch nicht zusagte, weil er nicht zu meinem Bildstil passte, sprach ich es aus.
Erfahrende Models kommen mit so etwas klar. Das gilt übrigens auch für Fotografen.
Eine Zusammenarbeit lohnt sich für die Beteiligten nur, wenn beide Seiten etwas davon haben.
Ich shoote nur noch mit Menschen, bei denen ich mir von Anfang an sicher bin. Wenn ich erst überlegen muss, ob mir jemand gefällt, dann passt es nicht. Ich muss sofort eine Idee haben. Es muss sofort „klick“ machen.

Wichtig ist, dass du ehrlich zu dir selbst bist. „Passe ich zu dem Portfolio des Fotografen/Models?“
Ja? Dann bewirb dich. Nein? Dann sei ehrlich zu dir selber und lass es. Wenn du unbedingt mit dem Fotografen/ Model shooten möchtest, dann musst du Geld investieren.

Models mit wenig Vorerfahrung haben es oft schwer, an gute Fotografen heranzukommen (gilt umgekehrt für Fotografen natürlich auch!).
Ich habe von einigen Models erfahren, dass sie investiert haben, um ihr Portfolio zu füllen.
„Mir war es wichtig, dass ich mich mit einem aussagekräftigen Portfolio bewerbe, daher habe ich auch investiert. Ich würde auch nicht mit jemandem arbeiten, der noch nie vor einer Kamera gestanden hat.“
Leider haben nur sehr wenige diese Einstellung. Warum auch immer.

Vielen Models/ Fotografen ist es nicht bewusst, wie Anfragen bei dem gegenüber ankommen.
Ich kann natürlich alles nur aus meiner Sicht bewerten. Ich fühle mich sehr oft verarscht, wenn ich Mails bekomme, in denen steht, dass man keinerlei Vorerfahrung hat.
„Ich will einfach mal schöne Bilder von mir haben und ich glaube, bei dir bin ich da richtig!“.
Man kann es ja mal versuchen, näää?
Sorry, aber ich frage ja auch nicht Jogi Löw, ob er mich mal auf den Platz lässt, obwohl ich noch nie Fußball gespielt habe. Hallo?!

Am witzigsten finde ich diese Personen, die mich fragen, ob ich Lust auf ein TfP-Shooting habe, aber kein einziges Foto von sich mitsenden. Bin ich Jesus? Weiß ich wie du aussiehst?
Versteht mich nicht falsch – ich habe schon sehr oft Mädels ohne jegliche Vorerfahrung fotografiert, allerdings haben sich diese mit einem aussagekräftigen Text bei mir beworben und mich von sich überzeugen können. Um es den Bewerbern einfacher zu machen, habe ich in meiner Info klar definiert, wie eine Bewerbung bei mir aussehen muss. 1% der Bewerber halten sich an die Anforderungen. Es ist einfach unfassbar ärgerlich. Ein Beispiel (#sponseredbyMischaBuckow), wie es sehr oft vorkommt, zeige ich euch hier:

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Lasst es einfach mal auf euch wirken.
Wie steht ihr zu diesem Thema?

 

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5 Kommentare

  1. Nun ja…ich stehe auch noch ganz am Anfang und ich weiß auch dass viele das ausnutzen wollen. Allerdings finde ich persönlich es spannend, mal von der eigenen Schiene abzuweichen…was ist daran schlimm mal einen Mann zu fotografieren? Mal jemanden, der keinerlei Erfahrung hat, meinetwegen auch unreine Haut…das kann doch sehr spannend sein, sich gerade mal wieder ausserhalb der eigenen Routine zu bewegen. Du fotografierst doch auch Privatkunden, da kommt ja auch Hinz und Kuntz..wenn sich jemand aussagekräftig bewirbt und einen netten Eindruck macht, kann das doch auchmal jemand sein, den man sonst nicht auf dem Schirm hat. Klar, Du bverdienst einen Haufen Kohle schon und rechnest warscheinlich die Zeit, die Du mit einem TFP- Shooting verbrauchst gegen eines, mit dem Du Geld verdienst…aber die Herausforderung sich auch mal wieder in etwas zu stürzen was man sonst nicht macht…die ist doch auch viel wert, oder?;-)
    Liebe Grüsse
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Ich habe bevor ich mich spezialisiert habe, alles ausprobiert und habe einfach gemerkt, dass mir bestimmte Dinge keinen Spaß machen (Dazu gehörten zum Beispiel Männer, Kinder und Tiere). Bei einem freien Projekt kann ich mir mein Model aussuchen, ist doch klar, dass ich dann Models mit reiner Haut bevorzuge, oder? 🙂 Ich muss schließlich bei Kunden nehmen, was kommt 😛

      Zum Thema Kunden: Ich biete nicht alles an. Ich werbe nur für die Sachen, die ich auch anbiete (Frauen, Paare und Hochzeiten). Von daher kommt zu mir auch nicht „Hinz und Kunz“, wie du es liebevoll nennst 😀

      Sooooo viel Geld verdiene ich leider noch nicht, da ich studiere und das hat bis ich fertig bin allerhöchste Priorität 😉

      liebe Grüße,Dési

  2. Versteh den Zugang von dir gut. Es ist Wichtig einen eigene Fotosprache zu entwickeln. Am Anfang hab ich Macro Landschaft am liebsten vor der kamara gehabt, ich und Menschen, nee sicher nicht 😂
    So mittlerweile mach ich zu 2/3 nur mehr Menschen. Allerdings nicht beruflich sondern als Ausgleich zum 50 Stunden Job…. Geld verdiene ich keines damit, das sollen die davon leben 😉
    Man entwickelt sich einfach weiter und das ist gut so 😉

  3. Hallo Desiree,
    vorab möchte ich mal deine Arbeit loben, sehr schöne Bilder, entspricht zu 100% meinem Geschmack.
    Ich bin ein reiner Hobyfotograf und bekomme öfter Anfragen zu einem Shooting gegen Bezahlung. Bei mir steht aber klar auf der Seite, dass ich nur TFP mache. Ich nehme mir aber immer die Zeit auch diese Mails nett und höflich zu beantworten, Verweise eben auf Kollegen, welche Bilder gegen Bezahlung machen. Ich hätte da noch nie das Problem, dass es unhöflich wurde. Ich geben jedem die Gelegenheit sich bei mir zu bewerben für ein Shooting auf TFP, suche mir dann aber entsprechend meinem bildstiehl Model, oder besser Mädels raus die zu meinem Projekten passen. Bei mir sind Mädels oft das erste mal vor der Kamera und ich muss sagen, es hat mich schon oft sehr überrascht, was die „unerfahrenen“ Mädels so drauf haben.
    Klar kann es sein, dass sich durch die steigende Qualität meiner Bilder die Anfragen häufen und ich dann auch eher abgenervt auf solche Anfragen reagiere. Jeder sollte aber damit umgehen, so wie er es für richtig hält.
    Ich sehe das ganze eher so, du stehst im Supermarkt an der Kasse hast nur zwei Teile und es sind noch fünf Leute vor dir. Klar kommst du an sechster Stelle erst dran, aber wenn man fragt wird man vielleicht vorgelassen, es sind ja nur zwei Teile. So sehe ich das auch von den möglichen Bewerbern bei dir. Ist aber eben nur meine Meinung.

    Mach weiter so, deine Bilder sind echt der Hammer.

    Gruß
    Theo

    http://Www.Facebook.de/TBPhotografie

  4. Is nicht nur bei der Fotografie so… Schon mal per Stellen Anzeige Personal gesucht? Da liest offensichtlich so gut wie niemand das Profil. Was sich da bewirbt ist einfach mal „Kamelle“…. Reinwerfen und wenn man eine Absage kassiert weil Schlosser auf ne Marketingstelle nicht passt, na, wer is schuld… Und arrogant?

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