Sucht.

Die Schattenseiten Frankfurts blieben mir als Sachsenhäuser Mädchen glücklicherweise immer verschont.
Ich wohnte bis zu meinem 15. Lebensjahr direkt am Museumsufer (neben dem Städelmuseum). Eine schöne Ecke Frankfurts, wie ich finde.
Bis vor einigen Wochen wollte ich unbedingt zurück nach Frankfurt ziehen, das war klar. Doch dann überkamen mich die Selbstzweifel, wie es nach meinem Studium aussehen würde und plötzlich löste sich dieser lang ersehnte Wunsch wieder in Luft auf.


Ich arbeite seit Februar in einer Werbeagentur in Frankfurt, die sich direkt im Bahnhofsviertel befindet.  Früher dachte ich immer, dass die Kaiserstraße die schlimmste Straße Frankfurts sei. Pustekuchen. Es sind die Seitengassen, die für das schlechte Image sorgen.

Die Schattenseiten Frankfurts befinden sich also u.a. im Bahnhofsviertel. Mittlerweile gibt es dort ganze 21 Bordelle. Prostitution ist allerdings nicht das, was mich dazu bewegt hat, diesen Blogpost zu schreiben.

Am Freitag besuchten meine Kollegin und ich einen Kunden im Westend. Da wir noch einige Zutaten benötigten, liefen wir in den Supermarkt. Unser Weg führte durch die Taunusstaße . Überall saßen Drogenabhängige, die sich Heroin spritzten.
Ich sehe es. Es fällt mir fürchterlich schwer, es zu ignorieren. Die Menschen sehen so kaputt aus. Sie können nicht richtig laufen. Was hatten sie wohl für Probleme? Wieso haben sie angefangen, sich so zu zerstören? Wieso glauben sie, dass die Drogen es besser machen?
Auf dem Rückweg liefen wir einen anderen Weg. Wir hatten ehrlich gesagt etwas Angst. Wir konnten nicht abschätzen, wozu diese Menschen in der Lage sind. Würden sie jemand anderem etwas antun, um Drogen zu bekommen? Ich weiß es nicht.
Wir liefen durch einen Park zurück. Ich dachte, es würde dort besser werden. Wir irrten uns. Am Rande des Parks stand eine Bank. Sie stand direkt an einer Ampel am Willi-Brandt-Platz. Vor der Bank kniete ein Mann, der sich in der Öffentlichkeit (am helllichten Tag) Kokain durch die Nase zog. Ich konnte ihn dabei genau beobachten. Ihm fiel es überhaupt nicht auf, dass ich ihn anstarrte. Naja. Jedenfalls schnupfte er das Kokain, ließ seinen Dreck auf der Bank liegen und lief bzw. wackelte davon.


 

Ereignisse, die ich seit Tagen nicht vergessen kann. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wieso Menschen nach etwas süchtig werden, dass sie zerstört. Jeder von uns weiß, was Drogen anrichten können. Wieso fängt man damit an?

Ich habe nie an einer Zigarette gezogen, nicht mal an einer Shisha. Wollte ich nie. Werde ich auch nie tun. Im Dezember 2014 war ich in Amsterdam. Meine Begleitung wollte unbedingt mal einen „Hasch-Brownie“ probieren. Da wir beide nie rauchten, kam ein Joint für uns nicht in Frage. Also gingen wir in einen Coffee-Shop und kauften uns für jeweils 5€ so einen Brownie. Da wir Angst hatten, aßen wir ihn erst im Hotel. Es dauerte drei Stunden, bis die Wirkung eintraf. Ich konnte einfach nicht aufhören zu lachen. Drei Stunden. Ich hatte die verrücktesten Gedanken. All das, wegen diesem „Brownie“.

Am nächsten Tag war uns kotzübel. Ich war geschockt, was diese Droge mit uns machte. Wir verloren die Kontrolle über uns. Für mich stand sofort fest: Das war das erste und das letzte Mal.

Als ich gestern unter der Dusche stand, dachte ich wieder an den Mann im Park. Irgendwie lässt mich dieses Thema nicht los. Ich dachte darüber nach, was für mich mit einer Droge vergleichbar wäre. Es ist die Fotografie. Die Fotografie macht mich glücklich. Wenn ich einige Tage nicht arbeite, fühle ich mich schlecht. So ist es wohl auch mit Drogen.

Ich habe ein Video gesendet bekommen, dass ganz klar verdeutlicht, wie man süchtig wird. Dieses Video könnt ihr euch hier ansehen.

 
Wonach seid ihr süchtig? Wieso hört ihr nicht damit auf?

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1 Kommentar

  1. Ich kann schon verstehen, dass jemand süchtig nach etwas wird. Oft sind es ja auch die Menschen, denen es psychisch schlecht geht und daher ist die Hemmschwelle etwas zu nehmen vermutlich viel geringer. Außerdem habe ich festgestellt, dass oft die falschen Freunde oder Kreise einen dazu bringen, z.B. Drogen zu nehmen. Und wie man ja weiß, wirken viele Drogen so stark, dass man schon bei einmaligem Konsum süchtig davon wird. Ich habe 2,5 Semester Soziale Arbeit studiert und Thema war unter Anderem auch „Sucht“. Wir waren auch in Frankfurt im Bahnhofsviertel und ich war auch fassungslos. Ich glaube, dass manche Menschen sich einfach nur noch betäuben wollen, weil sie mit ihrem Leben nicht mehr klar kommen. Und das Ganze ist ja dann auch ein Teufelskreis. Nimmst du es einmal, wirst du die meisten Drogen wieder nehmen und dann nimmt alles seinen Lauf, bis es dir am Ende scheiß egal ist, wer dich sieht und wo du konsumierst.
    Und sind wir nicht fast alle irgendwie süchtig? Wenn wir mehrmals die Woche unser Feierabendbier oder so trinken?
    Ich glaube, dass die meisten Menschen sich einsam fühlen, oder psychische Probleme haben und deswegen in eine Sucht geraten. Das fängt vermutlich ganz harmlos mit Cannabis an.
    Manche haben auch einfach eine niedrigere Hemmschwelle…
    So das waren meine Gedanken dazu. 😀

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