War das geplant?

War das geplant?
Ja, ja. Das ist wohl eine Frage, die junge Eltern sehr oft gestellt bekommen. Den meisten Menschen ist allerdings nicht bewusst, dass so eine Frage eigentlich ziemlich dreist ist. Es sind in der Regel fremde Menschen, die dir diese Frage stellen.
Ich denke mir dann immer: „Herr lass Hirn vom Himmel fallen.“
Wieso? Ist doch eine normale Frage, denkst du jetzt bestimmt. Ich finde nicht. Ich finde, dass diese Frage sehr privat ist. Ein Grund, diese Frage nicht zu stellen, ist mein Kind. Es ist da. Wieso ist es da? Weil es ein Wunschkind ist.

„Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls, keine Laune der Natur!“
Dieser Satz kommt bestimmt einigen von euch sehr bekannt vor. Das wird daran liegen, dass er aus einem  Kirchenlied stammt. Die Kirche war der erste Ort den ich besuchte, als ich erfuhr, dass ich schwanger bin.
Ich werde es nie vergessen. Es muss Ende April 2010 gewesen sein. Ein Nachmittag. Die Kirche war leer. Ich war alleine dort, kniete mich hin und faltete meine Hände.
So alleine war ich noch nie. Irgendwie war es schön, alleine dort zu sein. Als wenn der liebe Gott nur dir zuhört und sonst niemandem. Du denkst jetzt bestimmt, dass ich dort war, um den lieben Herrn im Himmel darum zu bitten, dass ich mich irre. Aber du liegst falsch. Ich habe für mein Kind gebetet. Für mich stand ab der ersten Sekunde fest, dass ich mein Kind bekommen und lieben werde. Ich hatte Angst, ja. Aber ich wusste, dass ich es schaffen kann. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich zündete eine Kerze an und ging. Sprach mit niemandem mehr.

Mit 18 schwanger zu werden ist nicht leicht. Vor allem nicht in der Welt, in der wir leben. In einer Stadt, in der dich fast jeder kennt, weil sie so klein ist. Unverheiratet, jung, keine abgeschlossene Ausbildung und schwanger. Das ist alles, was andere sehen. Ich habe meine Schwangerschaft sechs Monate geheim gehalten. Sechs Monate! Es ist mir bis heute ein Rätsel, dass es niemand bemerkt hat. Hallo!? Ich war fett?! Es war ein physikalisches Wunder, dass ich nicht vor gekippt bin. Bei einer Körpergröße von 158 cm und einem damaligen Gewicht von 40 kg war es wirklich nicht zu übersehen… Im Nachhinein sagten die Leute: „Naja, ich dachte halt du bist fett geworden!“  Ich habe nur am Bauch zugenommen, aber gut.

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Naja, jedenfalls fiel es mir nicht leicht, irgendwem von meiner Schwangerschaft zu erzählen. In der Stadt in der ich wohne ist das Gerede groß und ich hatte keine Lust auf negativen Stress. Also behielt ich es einfach so lange es ging für mich und trug  jeden Tag Babydolls (damals waren die Dinger ja total im Trend). Fiel also garnicht auf, dass ich ’ne gigantische Kugel vor mir herschob. Nachdem die ersten Menschen Wind von meiner Schwangerschaft bekommen hatten, ging das Gelaber direkt los, war ja klar.
Ein prägendes Ereignis werde ich nie vergessen. Meine Mama war einkaufen und ich wartete am Eigang. Plötzlich setzte sich ein wildfremdes Mädchen neben mich und sprach mich an: „Stimmt es, dass du schwanger bist?“
Ich war geschockt. Ich hätte mich niemals getraut, jemand Fremden mit so einer Frage zu überfallen. Sie stellte sich ja nicht mal vor, sie fragte mich nur, ob es der Wahrheit entspricht.
Tja, das war der erste Stressmoment in meiner Schwangerschaft, vor dem ich ewig Angst hatte. Ich schaute sie an und fragte sie total empört, wer sie überhaupt ist. Ich hasse Menschen, ganz ehrlich.

Irgendwann war es mir einfach egal. Die Leute gaffen. Ist egal ob du schwanger, fett, hässlich oder dumm bist. Sie glotzen, weil sie nichts anderes gelernt haben.
Natürlich reden die Leute auf dich ein: „Ähhh, wie willst du das alles schaffen? Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Guck doch mal die Leute im Tv an, da bekommst du doch vorgelebt, wie es endet! „

Für mich stand fest, dass ich mein Abitur machen werde, komme was wolle. Immer wieder musste ich mir Sätze wie: “ Wenn du ein Kind hast, gehst du eh nicht mehr in die Schule!“ anhören. Alle wollten es besser wissen. Soll ich dir was sagen? Es war gut, dass diese Menschen trotz Nüchternheit Wortkotze von sich gaben. Denn diese Sätze haben mich motiviert. Ich wollte allen das Gegenteil beweisen. Ich wollte es allen zeigen: Ein Kind zu haben bedeutet nicht, dass dein Leben vorbei ist! Ganz im Gegenteil: Wenn du ein Kind hast, fängt dein Leben an!

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Du wirst erwachsen. Du lernst, wer deine wahren Freunde sind. Du lernst, was im Leben wichtig ist. Du hast einen Grund, jeden Tag aufzustehen und 100% zu geben. Dein Kind treibt dich an und lässt dich nicht auf dem Weg stehen bleiben. Du suchst einen Umweg und versuchst an dein Ziel zu kommen, auch wenn du dafür Menschen zurück lassen musst.

Mutter zu werden, war das Beste, was mir passieren konnte. Ohne Lionel wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Ich kann es nur immer wieder sagen: Lionel hat mich zu dem gemacht, was ich bin!

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2013 habe ich mein Fachabitur in Fachrichtung Gestaltung gemacht und habe direkt im Anschluss angefangen zu studieren.

Ich habe gelernt, negative Menschen hinter mir zu lassen und mich auf die positiven Menschen zu konzentrieren. Positive Vibes. Negativität zieht dich nur runter. Du brauchst Menschen um dich herum, die dir gut tun, die dich zum Lachen bringen. Das habe ich vor allem in den letzten sechs Monaten immer mehr gemerkt. Meine Blockierliste wird immer länger, mein Freundeskreis immer kleiner. Ich brauche sowas nicht. Es gibt einfach viel zu viele Menschen, die sich mehr für das Leben anderer als für ihr eigenes interessieren. Das nervt. Focus on yourself, focus on your present. Life is what YOU make it.
Lasst Energiesauger hinter euch. Niemals denken, dass es nicht mehr bergauf geht. Alles geschieht aus einem ganz bestimmten Grund. Manchmal verstehen wir es nicht, wenn uns etwas schlimmes widerfährt, aber ich bin mir sicher, dass wir alle Marionetten sind, die der liebe Herr im Himmel steuert. Er weiß genau was er tut und am Ende wird alles gut.

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4 Kommentare

  1. Wirklich ein sehr schöner Blogpost.
    Ich finde man merkt sehr, dass du mit deinem Herzen schreibst.
    Vielen Dank für den kleinen, aber doch wunderschönen Einblick in dein Leben. 🙂

    Liebe Grüße Desiree 🙂

  2. Hallo Desiree,

    Wieder einmal ein wunderschöner Blogeintrag von dir. Ich habe mich in den letzten Wochen durch deinen Blog gearbeitet und konnte teilweise echt nicht mehr aufhören zu lesen. Dein spritziger und frecher Stil macht viel Spaß. Ich freue mich auf viele neue Posts von dir. 🙂

    Liebe Grüße
    Franziska

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