Wie läuft ein Shooting bei mir ab?

Hallo meine Lieben!

Mir kommt es vor, als hätte ich mindestens ein Jahr nicht mehr geschrieben. Heute habe ich wieder einen dieser Motivations-Schübe (sowas muss man direkt ausnutzen!).
Ich werde wirklich sehr oft gefragt, wie ein Shooting bei mir abläuft und wo ich meine Inspiration herbekomme. Heute möchte ich euch ein kleinen Einblick hinter die Kulissen gewähren.

Früher habe ich immer im Internet nach Inspiration gesucht. Kennt ihr Weheartit.com oder Pinterest? Ich habe es geliebt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich diese Moods nicht weiterbringen, sondern in meiner Kreativität einschränken. Ich fühlte mich festgefahren und kam einfach nicht von den Bildern los, die ich gesehen habe.
Als ich anfing zu studieren, sagte ein Dozent: „Ihr seid hier, um sehen zu lernen!“
Dieser Spruch geht mir seit drei Jahren nicht mehr aus dem Kopf. Wir müssen Sehen lernen. Plötzlich ist alles anders: Ich träume Bilder. Ich schaue mir meine Umgebung an. Ich gehe spazieren, fokussiere mich auf andere Dinge. Mittlerweile nutze ich Weheartit.com nur noch um Moods für meine Visagistinnen und Make-Up Artists raus zu suchen, damit sie sich besser vorstellen können, was ich mir von ihnen wünsche. Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber ich denke, dass meine Bilder mittlerweile auf einem neuen Level angekommen sind. Wie macht ihr das?
Nutzt ihr Moods, oder arbeitet ihr wie ich komplett ohne?

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Nun wisst ihr Bescheid. Da ich ohne Moods arbeite, laufen meine Shootings wohl auch etwas anders ab, als bei anderen Fotografen.
Das Model weiß zwar das Thema, hat aber keine direkte Vorstellung davon, was sie erwartet. Meistens kriegt das Model nur Sprüche wie „Ich will was mit Wasser machen.“  o.ä. zu hören.
Mir ist es fürchterlich wichtig, dass man mir vertraut. Ich zeige den Models vor Ort meine Favoriten und bewerte sie mit Sternchen auf meiner Kamera (einfach nur Luxus, dass so etwas möglich ist!). Die Models bekommen mittlerweile keine Auswahl mehr. Wieso? Früher haben sich Models oft Bilder ausgesucht, hinter denen ich nicht zu 100 Prozent stehen konnte. Ein Fotograf achtet auf andere Dinge als ein Model oder ein Make-Up Artist. Wer mit mir arbeitet sieht also vor Ort die Bilder, trifft aber nicht die Entscheidung, welches Bild am Ende bearbeitet wird. Klar, einige werden jetzt sagen, dass es für jeden Portfolio-Erweiterung sein soll. Ich muss sagen, dass sich bisher noch nie jemand bei mir beschwert hat. Vor Ort haben die Models schließlich immer noch die Chance zu sagen, dass ihnen ein Bild gefällt bzw. nicht gefällt.
Bei Kunden-Shootings ist das natürlich eine ganz andere Geschichte. Ein Kunde bekommt einen Download-Link und entscheidet selber, welche Bilder ich bearbeiten soll. Nach wenigen Tagen sendet er mir seine Auswahl per Mail und erhält nach der Fertigstellung die Bilder vorerst via Downloadlink, zum Schluss dann auf CD und ausgedruckt per Post.

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Shootings mir mir sind wie ein Spaziergang. Ein Treffen mit einer Freundin oder so.
Mir ist es wahnsinnig wichtig, dass die Sympathie stimmt. Ich brauche ein Team, das genauso verrückt ist wie ich. Ein Team, das bereit ist, auch mal zu leiden (Kälte, Insekten, eklige Tümpel etc.).
Wenn die Gruppe zusammen passt, sind die Bilder am Ende auch geil. Meiner Meinung nach sieht man in den Bildern, ob sich jemand wohl fühlt oder nicht.
Wenn ich ein Bild angucke, sehe ich nicht nur das Bild. Ich sehe das Drumherum und erinnere mich an die schönen bzw. negativen Momente zurück. Ihr seht nur den Ausschnitt, den ich fotografiert habe, ich aber sehe das ganze Set. Klingt verrückt, oder? Ist aber die Wahrheit.

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Nach meinen Shootings müssen meine Models und Make-up Artists einen Vertrag unterschreiben. Egal wie gut man sich mit jemandem versteht – es ist wichtig und gehört dazu. Viele unterschätzen das und beißen sich hinterher in den Arsch, wenn das Model sagt, dass sie doch nicht möchte, dass ein Foto von ihr im Internet kursiert. Ich denke Sprüche wie: „Hmmm, ich gefall‘ mir auf dem Foto nun doch nicht mehr !“ Kennt jeder. Wenn du einen Vertrag hast, kannst du hinterher wenigstens noch sagen: „Pech gehabt, ich habe deine Unterschrift.“
Glaubt mir, ich finde es auch nicht geil, wenn jemand Bilder von mir hochlädt, die in meiner Anfangszeit entstanden sind, aber ich stehe dazu. Diese Anfangsphase war wichtig, um mich zu entwickeln.

Meistens rase oder renne ich nach den Shootings nach Hause, weil ich es nicht abwarten kann, die Bilder zu bearbeiten. In meinem Vertrag steht, dass die Bearbeitung bis zu 12 Wochen dauern kann. Ich glaube kein Model hat länger als zwei Tage auf die ersten Bilder von mir gewartet. Ich liebe meinen Job einfach so so so sehr. Auch das ist wichtig. Hast du Spaß bei dem was du tust? Nein? Dann hör‘ auf. Einen Job nur des Geldes wegen machen? Niemals. Nie wieder.

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(Bisschen Macarena Tanzen im Teich kann nicht schaden :P)

Mein Team bekommt die Fotos einmal mit und einmal ohne Logo. Die Fotos mit dem Logo sind für’s Netz und die ohne für den Druck. Neulich meinte ja jemand in einer Gruppe, dass es keinen Sinn machen würde, den Models die Bilder ohne Logo zu geben. Dümmster Spruch, den ich jemals gehört habe. Ich finde es total kacke, wenn auf einem Druck ein Logo drauf ist. Gehört meiner Meinung nicht aufs Bild, da kann ein Logo noch so schön sein.

Bei freien Projekten ist es mir natürlich wichtig, dass ich namentlich erwähnt bzw. verlinkt werde. Freie Projekte sind nicht nur da um sich kreativ auszuleben: Sie sollen neue Kundschaft bringen.
Bei Kunden ist  es mir nicht wichtig, dass sie mich verlinken oder namentlich erwähnen. In der Regel ist Mundpropaganda die beste Werbung.

Durch meine offene und ehrliche Art arbeite ich immer wieder mit Menschen zusammen, die genauso sind wie ich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, welch eine Entlastung das sein kann.
Seine Zielgruppe von vorne rein zu definieren ist das beste was man machen kann. Wie geht das? Wie definiere ich meine Zielgruppe? Das gelingt mir durch meine Blog-Einträge, Vlogs auf YouTube, Live-Streams auf Facebook und die persönlichen Eindrücke auf Instagram ( Desiree_gehringer & desireegehringerfotografie). Ich verstelle mich nicht. Ich zeige mich so wie ich bin, weil ich möchte, dass meine Kunden und Models genauso sind wie ich. Meine Kunden sollen mich DUTZEN! Ich möchte, dass sie sich bei mir wohlfühlen und das Ganze wie ein Treffen mit einer Freundin sehen.

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Viele denken, dass ich nur hinter der Kamera stehe. Stimmt nicht. Jeder Fotograf sollte auch die andere Seite kennen. Wie viel kannst du deinem Model zutrauen? Ist das jetzt zu kalt oder zu schmerzhaft? Auch ich habe in Tümpeln und in Schlamm gelegen. Ich bin bei Minusgraden barfuß durch den Wald gerannt, habe bei -10 Grad meine nackten Füße auf Eis gelegt oder bin im Kleidchen durch den Schnee  gerannt. Kein Model kann mir etwas erzählen. Wer mit mir arbeiten möchte, muss 100% geben. Ich kenne beide Seiten. Wenn mein Model im glitschigen Wasser liegt, dann stelle ich mich ebenfalls rein.

Erkennt ihr euch in diesem Post wieder? 🙂

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7 Kommentare

  1. Hallo liebe Desi 🙂

    wirklich sehr interessant mal einen kleinen Einblick in deinen Beruf (Leidenschaft) haben zu können.

    Mich würde es interessieren, ob ihr in eurem Studiuom auch lernt wie sich ein Model/Kunde vor der Kamera verhält. Also mit posing ect, wie man am besten die Hände hält, wie man am besten steht, ect.

    Liebe Grüße Desi 🙂

    1. Hallo Désirée,

      In der Uni habe ich zum Thema Fotografie ehrlich gesagt nicht viel gelernt. Im Umgang mit Models schon garnicht. In der Uni beschäftigen wir uns hauptsächlich mit Reportage- Fotografie. Liebe Grüße 🙂

  2. Hallo liebe Dési,

    ich habe jetzt ein paar deiner Blogbeiträge gelesen und musste direkt feststellen, dass wir uns wohl ziemlich ähnlich sind und du mir auch sehr sympathisch bist, vor allem was so deine Ansichten in Zusammenarbeit mit anderen angeht.
    Du hast eine sehr direkte Art, was ich mag. Es ist auch schön zu lesen, dass auch du einiges erst lernen musstest, woran es bei mir z.B. noch hapert. Das macht mir Hoffnung 😀
    Ich schaue hier jetzt regelmäßig vorbei 🙂

    Liebe Grüße, Vanessa

  3. Hallo liebe Désirée,

    um Deine Frage am Ende des Beitrags zu beantworten: Ich finde mich zu 100 % in Deinen Ausführungen wieder. Vor allem darin, dass andere immer nur einen Ausschnitt sehen und man selbst jedoch das Gesamtbild. Und dass man immer direkt sieht, ob jemand sich wohl gefühlt hat. Das exakt selbe Bild hat zwei verschiedene Ausstrahlungen, wenn jemand sich wohl gefühlt oder unwohl gefühlt hat; selbst wenn Mimik, Posing, etc. genau gleich sind.

    Ich mag Deine direkte Art und Deine Einstellung, dass man immer 100 % geben muss – das sehe ich auch so. Mach immer weiter so, Du machst es nämlich genau richtig <3

    Liebe Grüße
    Annika

    1. Das kommt darauf an, wie viele Sets wir geshootet haben und wie zufrieden ich war 🙂
      kann man so pauschal nicht sagen, aber in der Regel sind es MINIMUM 2 Fotos 🙂

  4. Hallo Désirée,

    um eine Antwort auf deine Frage am Ende deines Blogposts zu geben, ja – ich finde mich zu 100% in dem, was Du geschrieben hast wieder.

    Ich finde es wirklich sehr interessant einen Einblick zu bekommen, wie ein Shooting bei Dir abläuft. Es ist wirklich sehr schön zu lesen, dass Du persönlich sagst, dass Deine Kunden wie Du sein sollen. Das gibt es leider viel zu wenig.

    Deine Arbeiten sind bewundernswert und wie Du das alles meisterst ebenfalls.

    Meinen größten Respekt,
    viele Grüße aus Sachsen-Anhalt von Patrizia. 🙂

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