Zukunft.

Kennst du das?
Du hast deine Zukunft eigentlich schon komplett durchgeplant. Studium erfolgreich beenden, Job in einer Werbeagentur, Kleines Häuschen mit Garten, schönes Auto, Ein großer Raum, indem du all deine Ideen umsetzen kannst…
Und dann wird sie dir gestellt. Diese eine Frage, mit der du dich bis dato nicht intensiv beschäftigt hast:

„Für was überarbeitest du dich so, wenn du das mit der Fotografie nicht hauptberuflich machen wirst?“

Bäääm. Hat gesessen. Ehrlich. Ich habe einen fetten Kloß im Hals. Seit einer Woche zerbreche ich mir meinen Kopf. Ich lege so viel Herzblut in meine Arbeit, aber ich tue es gerne. Es gibt nichts, was mir mehr Spaß macht, als mein Job. Für mich ist es keine Arbeit. Für mich ist die Fotografie ein Hobby, mit dem ich Geld verdiene. Wenn man einen Beruf hat, der einem Spaß macht, muss man nie arbeiten…
Eigentlich gibt es keinen Beruf, den ich mir besser für mich vorstellen könnte. Ihr könnt mir glauben, ich habe einiges ausprobiert. Ich habe Praktika bei Friseuren, Floristen, Mediengestaltern, Fotografen, in Parfümerien und in Werbeagenturen absolviert. Ich habe Zeitungen ausgetragen, habe eine acht köpfige Kommunions-Gruppe geleitet und war sogar mehrere Jahre Klassensprecherin und Schulsprecherin. Ich bin heute schlauer denn je. Ich weiß mittlerweile was ich möchte. Doch ich habe Angst. Angst vor dem Scheitern.

In voraussichtlich einem Jahr werde ich mein Studium beenden. Doch was ist dann? Lionel wird nächstes Jahr im Sommer eingeschult. Bis vor einer Woche stand für mich zu 100% fest, dass ich wieder nach Frankfurt ziehen werde und er dort eingeschult wird. Ich sage seit neun Jahren, dass ich zurück nach Frankfurt ziehen werde und plötzlich habe ich keine Lust mehr. Wieso? Kein Plan. Irgendwie habe ich gerade ’nen Kurzschluss in meinem Hirn. Ich bin einfach nur noch durcheinander. Ich denke viel an Lionel, meine berufliche Zukunft und wie ich alles unter einen Hut kriegen soll. Selbstständig bin ich schon seit drei Jahren, aber nicht hauptberuflich. Wäre ich in einem Jahr hauptberufliche Fotografin, wüsste ich, dass ich Kind und Job gut miteinander kombinieren könnte. Ich könnte mir meine Termine so legen, dass es es mir passt. Allerdings kommen dann Existenzängste auf. Werde ich genug Jobs haben? Werde ich meine Miete und meine Rechnungen zahlen können? Ich will nicht am Limit leben. Dafür habe ich nicht so hart gearbeitet und mir den Arsch aufgerissen.
Ich kann und will mir nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Ich l(i)ebe die Fotografie und kann mir nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu tun.

Kennt ihr diese Ängste?
Wer von euch ist hauptberuflich unterwegs? Und war es eine gute Entscheidung?

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12 Kommentare

  1. Liebe Desi,
    ich muss mal wieder einen Kommentar zu dir schreiben (mach ich eigentlich bei sonst keinem fällt mir grad auf?). Aber egal. Dein Beitrag hat mich eben sehr gerührt. Weil es mir genau so geht!

    Ich arbeite auch in einer Werbeagentur, bin aber noch nebenher selbstständig als Webdesignerin und Fotografin. Wenn ich meine eigenen Projekte bearbeiten kann (Websites + Fotografie) bin ich der glücklichste Mensch der Welt. Ich mache das an den Feierabenden, am Wochenenden und nehme mir extra dafür Urlaub. Das ist dann für mich auch keine Arbeit, wie für dich.

    Am liebsten würde ich auch meinen fixen Job schmeissen und nur mehr selbstständig sein, weil mich diese Arbeit erfüllt und weil ich darin aufgehen kann. Aber auch ich mache mir Sorgen, ob ich es finanziell schaffe. Ich habe mir deswegen zur Aufgabe gemacht, nach einem Halbtagsjob zu suchen. Das wäre doch für dich auch eine Idee, oder?
    Da du schon ein Kind hast, müsstest du eigentlich eher leicht einen Halbtagsjob bzw. Teilzeitjob bekommen. Dann kann man sich das Leben und die Arbeit doch besser einteilen und kann mit dem Geld vom Job die Fixspesen bezahlen und sich in der anderen Zeit um eigene Projekte kümmern 🙂

    Ich muss nur noch etwas finden…

    Das Leben ändert sich doch ständig, unsere Meinungen ändern sich ständig. Ich bin mir sicher, dass du deinen Weg findest, und dass du es schaffst, nur noch selbstständig zu sein, wie du es dir gerne wünschst. Du bist eine fantastische Fotografin, du hast Qualität und das schätzen die Menschen.

    Hör nur nie auf zu glauben!

    Liebe Grüße aus Südtirol,
    Cynthia

    1. Hallo liebe Cynthia, Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich freue mich immer sehr darüber, wenn sich jemand die Mühe macht 🙂
      Über einen kleinen Nebenjob habe ich mir auch schon Gedanken gemacht, allerdings wüsste ich nicht, was für einen. Werbeagenturen sind meistens in der Großstadt und ich bin selbst jetzt 9 Stunden unterwegs, obwohl ich nur sechs Stunden arbeite (Ich wohne in einem Kaff, deswegen wollte ich zurück nach Frankfurt). Naja, alles nicht so einfach :/

    2. Hallo Deiree,
      so wie dir, geht es sicher vielen Gestaltern aus Agenturen.

      Ich selbst bin auch gelernter Mediengestalter und habe nach ein paar Jahren als braver Angestellter das Handtuch geworfen und mich in die Selbstverständigkeit geworfen, nach 3 Jahren Kleingewerbe nebenbei. Mit dem Schwerpunkt Fotografie.

      Das funktioniert soweit auch ganz gut, nur sollte jeder, der genau diesen Weg einschlagen will wissen, dass das gerade eine Welle ist. Es werden immer mehr mit diesem Einfall, das immer günstigere Equipment tut sein Übriges. Der Markt ist überschwemmt mit Fotografen und Grafikerin und das wird in dieser Form nicht langfristig funktionieren.
      Man benötigt schon einen Mehrwert oder einen langfristig höheres Ziel, dass nicht als nur der Fotograf von nebenan zu Enden.
      Beste Grüße
      David

  2. Scheiß auf die Selbstzweifel oder Angst, dass du es nicht schaffen kannst. Du hast absolut das Potential dafür und würdest dich eh ärgern, wenn du es nicht versucht hättest. Es findet sich immer ein Weg und wenn du ihn jetzt noch nicht weißt, wirst du es noch früh genug erfahren. Manchmal muss man einfach weiter machen, bis die richtige Lösung dann plötzlich da ist.
    Ich wünsche dir viel Erfolg auf deinem Weg und schaue zu dir auf, das ist toll, was du machst!
    Liebe Grüße 🙂

  3. Auch ich kommentiere mal, bin eigentlich immer nur stille Leserin, aber du sprichst mir aus der Seele!
    Ich studiere auch Kommunikationsdesign, bin nächstes Jahr fertig und meine große Leidenschaft ist die Fotografie.
    Seit Monaten zerbreche ich mir den Kopf darüber, weil ich am liebsten nur fotografieren möchte, die Angst allerdings zu groß ist.
    Ich kann deine Lage absolut nachvollziehen!

  4. Das hast du schön geschrieben, ehrlich und direkt. So mag ich es und wer hat nicht auch diese Gedanken. Für mich steht fest, dass ich nur als Hobby fotografiere, denn sobald Geld im Spiel ist fühle ich mich unter Druck gesetzt. Ausserdem ist meine Erfahrung, dass zahlende Kunden andere Vorstellungen haben von tollen Bildern und man sich selbst dann nicht treu ist und wofür? Für Geld. Das ist es mir persönlich nicht wert. Einen hauptjob haben kann gar nicht verkehrt sein!

    LG rebecca / RBE Bilder

  5. Ich habe mich in vielen deiner Gedanken wiedergefunden. Ich habe auch ein Hobby, für das ich immer schon gebrannt habe. Als Kind dachte ich, ich würde mal davon leben, aber dann kamen all die vernünftigen Erwachsenen und haben mir eingeredet, das wäre unrealistisch. Und jetzt? Jetzt bin ich hauptberuflich Autorin, so wie ich es mir immer gewünscht habe 🙂

    Ich muss dazusagen, ich habe leicht reden, denn mein Mann verdient gut genug, dass ich keine Existenzängste haben muss. Hätte ich ihn nicht, würde ich in einem winzigen Zimmerchen leben und mich vermutlich von Brot und Wasser ernähren. Wochenenden und Feiertage gibt es nicht, ich arbeite meist bis 3 Uhr nachts, 7 Tage die Woche.

    Aber ich bin so wahnsinnig froh, dass ich das machen kann: Ich kann den ganzen Tag das tun, was ich so sehr liebe. Es fühlt sich nicht nach Arbeit an, auch wenn es manchmal furchtbar anstrengend ist.

    Gut möglich, dass ich das anders sehen würde, wenn ich ein Kind hätte – womöglich fände ich es dann riskant, einen Beruf zu haben, in dem ich wenig Geld verdiene und vorher nie weiß, ob und wie viel ich im Monat einnehmen werde. Man weiß schließlich nie, was die Zukunft bringt. Ich kann mir vorstellen, dass dir das Kopfzerbrechen bereitet. Ohne Kind, wenn man nur für sich selbst verantwortlich ist, ist vieles einfacher.

  6. Hey liebe Desi,

    Ich kann deine Ängste und Sorgen gut nachvollziehen, hatten wir sie doch alle schon mal, die Zukunftsängste.

    Ich weiß gar nicht genau, was ich dir raten soll, denn meiner Erfahrung nach, hat man meist doch schon eine Idee oder eine wage Vorstellung von dem was man eigentlich möchte.
    Das du plötzlich nicht mehr nach Frankfurt ziehen magst, wird einen Grund haben, auch wenns dir jetzt noch nicht ganz bewusst ist.

    Zu deinen „Arbeitssorgen“, es ist immer schwer komplett selbständig zu sein.
    Ich kann dir nur raten Geld beiseite zu legen für „schlechte Zeiten“.
    Oder vorschlagen, dass du dir einen TZ Job suchst, vielleicht in einem Fotostudio oder bei anderen Fotografen.
    Du kennst ja auch viele Fotografen, vielleicht besteht die Möglichkeit mit diesen zusammen zu arbeiten.

    1. Hi Larissa,
      Vielen Dank. Eine Zusammenarbeit mit anderen Fotografen kommt für mich definitiv nicht in Frage. Ich möchte in dem was ich tue frei sein. Ich denke es wird darauf hinaus laufen, dass ich mir einen zweiten Job suche, den ich nur drei Tage die Woche oder so mache… Habe ja noch ein Jahr zum nachdenken haha 🤔😜

  7. Liebe Desi,

    wenn du es nicht direkt nach dem Studium versuchst, dann vielleicht nie. Was spricht dagegen dir einen zeitlichen Rahmen zu setzen, in dem du versuchst selbständig auf die Füße als hauptberufliche Fotografin zu kommen? Wenn es dann nicht klappt, kannst du dir immer noch einen Job in einer Werbeagentur suchen. So sehe ich das aktuell. Die Frage, die du dir vermutlich nur selbst beantworten kannst, lautet allerdings auch: Wie kommst du jetzt mit dem Geld klar, dass du über die Fotografie einnimmst?

    Wenn du dir diese Frage beantworten kannst, hast du vielleicht auch schon die Antwort auf die Frage nach der hauptberuflichen Selbständigkeit. Einen Versuch ist es allemal wert, würde ich sagen, anhand der Bilder, die ich bisher von dir kenne.

    VG aus dem Ruhrgebiet,
    Denise

    1. Danke meine Liebe,
      Aktuell forografiere ich ja leider nur alle zwei Wochen samstags, weil ich im Praktikum bin und ich an den anderen Wochenenden meinen Sohn habe. Deswegen kann ich da noch keine realistischen Einschätzungen machen. Liebe Grüße

  8. Liebe Desiree,
    ich bin erst vor Kurzem auf dich gestoßen und muss Dir sagen, dass ich deine Durchsetzungskraft und Energie bewundere. Auch ich bin einer derjenigen, die irgendwann in einer Agentur als Grafikdesigner das Handtuch geworfen haben, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Der große Traum war die Fotografie, denn die scheint einfach zu passen. So, wie Du es meist sagst, man sollte Geld damit verdienen, was einem Spaß macht. Du bist auf einem sehr guten Weg und machst wirklich schöne Bilder. Bei mir selbst hat es sich leider noch nicht auf die Fotografie verlagern können, da ich das Geld noch mit Design verdiene und selbst das ist noch hart.

    Aber dazu kann man eben auch nur sagen, es dauert nach der Faustregel gute 3 Jahre, bis das Geschäft läuft und bis dahin sollte man kämpfen. Doch Du hast den Fleiß und den richtigen Schneid. Aber auch Du solltest eventuell vorerst ein Fallback haben. Und was die Sache mit dem „festen sicheren Job“ angeht. Dazu sagt mir ein lieber Kollege immer wieder: Du bist auch in einem Job niemals sicher, ganz im Gegenteil.

    Ich wünsche Dir jedenfalls Alles Gute und dass Du es schaffst, deine Leidenschaft zum Job zu machen. Wenn man sich mal da draußen umschaut, es haben so viele Talentfreie es geschafft, warum nicht jemand mit Talent?

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