Vom Pech verfolgt – Mallorca Teil 1

21. April 2019

Während die meisten Mädels von einem schönen, teuren Paar Schuhe oder einer Handtasche träumen, träumte ich lange Zeit von einem Paar-Shooting am Strand.

Nachdem ich im vergangenen Oktober Urlaub in Österreich machte und ein traumhaftes Shooting inmitten der Berge realisierte, konnte ich es nicht mehr abwarten: ich wollte unbedingt am Strand shooten. Direkt nach unserem Urlaub setzte ich mich an den Rechner und checkte die Temperaturen im Dezember auf Mallorca. Laut Google bewegen sich die Temperaturen im Dezember zwischen 18 °C – 23 °C. „Perfekt“ dachte ich mir!

Jetzt musste ich also nur noch ein Paar finden, dass Bock auf dieses Projekt haben würde.

Die Suche dauerte nicht lange – Lisa & Phil hatten Lust und somit buchte ich Flüge, Unterkunft und Mietauto.

Für mich stand direkt fest, dass ich meine Freundin Katerina Karneri (Designerin) nach einem Hochzeitskleid fragen würde, denn wenn ich schon für 48 Stunden diese Reise auf mich nehmen würde, dann sollte es geil werden. Nachdem meine Freundin Stefanie (Floristin) meine Story auf Instagram sah, schrieb sie mir sofort:

„Muss ich mich erst selbst einladen oder wieso fragst du mich nicht, ob ich dir Blumen mitgebe?“

Ich musste schmunzeln, denn natürlich war Stefanie immer die erste an die ich dachte, wenn ich ein Hochzeits-Shooting plante. Hochzeit ohne Blumen? Now Way! Stefanie ist einfach die beste und deshalb freute ich mich sehr darüber, dass sie Lust hatte sich zu beteiligen.

 

Weil ich mir nicht mit zehn anderen Personen ein Jugendherbergenzimmer teilen wollte, buchte ich mir ein Doppelzimmer, weswegen ich noch einen Platz in meinem Bett frei hatte.

„Wieso fliegst du denn nicht einfach mit? Ich habe noch ein Platz in meinem Zimmer frei.“

Während Fräulein Gehringer die ganze Zeit ausschließlich ein Shooting am Strand im Kopf hatte, sprachen Stefanie und Katerina von einem Styled-Shooting (eine inszenierte Hochzeit). Von alleine wäre ich vermutlich niemals auf diese Idee gekommen. Einige von euch fragen sich nun sicher, was ein Styled- Shooting ist, bzw. was der Sinn eines solchen Shootings ist. Viele Paare legen Wert auf Privatsphäre und möchten nicht, dass man ihre Fotos für Werbezwecke nutzt, was völlig legitim ist. Für uns Dienstleister ist das allerdings ziemlich schade, weil wir Fotos brauchen, um neue Kunden zu akquirieren.

Das Gute an Styled-Shootings ist, dass man seine eigenen Ideen umsetzen kann (natürlich immer in Absprache mit dem Team!) und dann alles den eigenen Vorstellungen entspricht.

Wir einigten uns auf das Thema „Federleicht“, somit hatten wir ein luftiges Kleid, eine Trauung am Strand und viele Federn!

Ich verbrachte im Sommer 2017 meinen Urlaub an der Cala Ratjada und kannte dort ein paar schöne Strände, die sich super zum Shooten eignen würden. An der Promenade entlang gibt es viele tolle Cafés und Restaurants. So wie die „Träumeria Son Moll“. Ich war damals so begeistert von der Gestaltung, dass mir diese hübsche Pizzeria nicht mehr aus dem Kopf ging.

Lustigerweise stellte Stefanie genau zu diesem Restaurant Kontakt her, in der Hoffnung, dass wir dort unsere „Hochzeitsfeier“ feiern könnten.

Wegen der Umbauarbeiten meldeten sie sich leider irgendwann nicht mehr zurück.

Freitag, 7.12.2018 Tag der Anreise

Der Kamerarucksack, den Stefanies Tochter mir ausgeliehen hatte, platzte aus allen Nähten. Ich wollte bei diesem Projekt auf keines meiner Objektive verzichten. In meinem Koffer fanden zwei Hochzeitskleider, Brautschuhe und Schleier ihren Platz. Stefanies Koffer war bis zum Rand voll mit Blumen. Ihre Blumenschere war leider ebenfalls in einer ihrer Taschen verstaut. Die Blicke an der Gepäckkontrolle waren unbezahlbar. Zu gerne hätte ich gewusst, was die Sicherheitsleute dachten.

„ Ja, ist klar. Ganz alibimäßig Blumen und Hochzeitskleid in den Koffer packen und hinterher dem Pilot und der Crew die Ohren mit der Blumenschere abschneiden“

Es war von vorne rein klar, dass wir uns an der Kontrolle von der Schere verabschieden müssen, aber Stefanie dachte, dass man es ja versuchen könnte 😀

Das war also der Start unserer Pechsträhne. Natürlich war mein Timing wieder perfekt und wir kamen alle vier pünktlich am Gate an. Ein Mythos besagt, dass Ryanair Flüge pünktlich abfliegen. Wie gesagt, es ist ein Mythos. Bereit für das Boarding kam die Durchsage, dass wir mit ca. 40 Minuten Verspätung abfliegen würden. Auf Deutsch übersetzt bedeutet das: 40 Minuten ∙ 2 = 80 Minuten. Lisa und Phil holten sich dann erstmal eine Pizza, während ich mich ärgerte, nicht den früheren Flug gebucht zu haben. Wir wollten schon den Freitag zum Shooten nutzen und eine Verspätung würde uns wegen des frühen Sonnenuntergangs einen Strich durch die Rechnung machen.

Als 40 Minuten später das Boarding begann und ich mich schön in die Reihe für die Priority Gäste stellte, wurde ich erstmal zur Seite genommen, weil ich einen Koffer zu viel hatte.  Was kann ich dafür, wenn deren Informationsblätter so unverständlich sind? 😀
Ich dachte, ich dürfte neben meiner normalen Tasche (in diesem Fall war es mein Rucksack) zwei Gepäckstücke mit an Bord nehmen.

„Sie hätten eine kleine Tasche mitnehmen dürfen und das ist keine kleine Tasche! Das macht dann 50,00 €, bitte!“

Und dann war ich 50,00 € ärmer.

Nach diesem Desaster durften wir erstmal eine Stunde in dem Bus sitzen, der uns zum Flugzeug bringen sollte. Es dauerte übrigens nicht wegen der Entfernung zum Stellplatz so lange. Es dauerte so lange, weil unser Flugzeug noch nicht gelandet war. Ich werde nie verstehen, wieso sie uns in den Bus steckten, anstatt uns am Gate warten zu lassen. Ratet, wer trotz Priority Boarding die letzte im Flieger war? Riiichtig, ICH! Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Bevor einige denken, ich hätte Priority Boarding gebucht, um als erstes im Flieger zu sitzen: Nein, ich kann euch beruhigen. Ich wollte mein Equipment mit an Board haben, weil ich weiß, wie das Bodenpersonal mit Gepäckstücken umgeht. Ich weiß es, weil meine Mutter schon seit vielen Jahren am Flughafen arbeitet und uns vor einigen Jahren schon einmal ein teurer Buggy kaputt ging.

Als ich dann endlich im Flugzeug meinen Platz fand, beruhigte ich mich allmählich wieder. Wir saßen natürlich total verteilt, aber immerhin konnten wir kommunizieren, weil wir einander sehen konnten. Nach ca. zwei Stunden landete unser Flugzeug endlich auf der schönen Insel im Balearen-Meer. Natürlich war es schon relativ spät am Nachmittag, aber wir hatten Glück, denn es waren 22°C und die Sonne schien.

Unser Mietauto war mit Sicherheit weg. Was sollte man nach so einer Verspätung auch anderes erwarten? Wir zogen mit Bauchschmerzen eine Nummer am Schalter und warteten, bis unsere Nummer aufblinkte. 
In der Zwischenzeit wollte ich nicht nutzlos herumsitzen, also packte ich meine Pinsel aus dem Gepäck und begann Lisa etwas zu schminken. Als wir uns dem Ende näherten, blinkte die Nummer auf und wir gingen aufgeregt zum Schalter.

„Euer Auto ist nun leider weg. Ich habe mir aber erlaubt, euch ein Upgrade zu verschaffen! Ihr bekommt einen Nissan Qashqai“

Phil flippte vor Freude total aus, weil das wohl ein ultra cooles Auto sein sollte. Ich hatte von diesem Auto zuvor noch nie etwas gehört und wartete mit meiner Freude, bis wir am Parkplatz im Parkhaus ankamen. Dann liebe Leute flippte auch ich aus, denn ich sollte dieses Schiff das gesamte Wochenende fahren. Was soll ich sagen? Es war Liebe auf den ersten Blick. Das war definitiv Glück im Unglück. Nachdem wir unser ganzes Gepäck verstaut hatten, ging es los. Wir fuhren von Palma de Mallorca rund 80 Kilometer in den Osten nach Son Moll.
 Auf dem Weg dorthin machten wir noch kurz Halt in einem Supermarkt und erfreuten uns über die spanischen Spezialitäten. Anschließend ging es in das nahebelegende Hotel. Haha, denkste! Glücklicherweise hatten wir unser Gepäck im Kofferraum gelassen, um nach dem Eingang des Hotels zu suchen. Als wir ihn fanden, fiel uns ein Vermerk auf der Tür auf: „Wenn sie ihren Schlüssel für das Appartement noch abholen müssen, gehen sie bitte zur folgenden

Adresse: #dieserOrtExistitertNicht“

Da standen wir nun also. 1700 Kilometer von zu Hause entfernt, ohne Hotel.