Vom Pech verfolgt – Mallorca Teil 2

28. April 2019

Ich war so deprimiert. So etwas war mir noch nie passiert. Ich griff sofort zum Hörer und telefonierte mit dem Reiseportal, über das ich gebucht hatte. Selbst die Mitarbeiter vom Reiseportal konnten vor Ort niemanden erreichen und baten uns, vorerst in ein Restaurant zu gehen um die Zeit zu überbrücken. Nach ca. einer Stunde bekam ich eine Mail, dass man mich telefonisch nicht erreichen konnte, was völliger Quatsch war, da mein Handy pausenlos mit super Empfang neben mir lag. In der Mail wurde uns eine Ersatzunterkunft angeboten, welche allerdings 30 Kilometer entfernt lag. Für mich keine Option. Ich versuchte mehrmals das Reiseportal zurückzurufen, doch nun bekam ich selbst dort niemanden mehr an den Hörer. Ich wollte unter keinen Umständen im Auto übernachten, also suchte ich kurzerhand nach einem neuen Hotel. Zwei Stunden nach unserem Schock war dann endlich ein neues Hotel gebucht und wir konnten den Schlüssel direkt beim Besitzer des Hotels abholen.

Paar am Strand auf Mallorca

Phil sollte im Restaurant des Besitzers den Schlüssel abholen. So schnell wie er reinging, kam er auch wieder raus.

„ Der Typ will das Geld sofort haben, und zwar Cash!“

„Geil“, dachte ich mir. Ich war wegen dem Übergepäck am Flughafen, dem Besuch beim Supermarkt und dem Restaurant schon 80,00 € leichter. Ich hatte nur noch 120,00 € einstecken und der Hotelbesitzer wollte 170,00 € haben.

„Dési, ich habe genug Geld dabei!“

page6image10759424Stefanie war unsere Rettung. Ich ließ mir alles quittieren, damit ich es hinterher dem Reiseportal zuschicken konnte.

Wir waren ausserhalb der Saison auf Mallorca und hatten das Gefühl, in einer Geisterstadt zu residieren. Wir waren in einem Hochhaus-Hotel untergebracht. Das Hotel war leer, die Betten waren nicht bezogen und alles war düster und kalt. Zum Glück mussten wir in diesem Hotel bloß schlafen. Lisa ekelte sich so sehr vor den Betten, dass sie mit Pullover und Hose schlafen ging um bloß nicht mit ihrer Haut die Bezüge zu berühren 😀

Am nächsten Morgen klingelte um 6.30 Uhr in der Früh der Wecker. Lisa war wegen ihres Ekels todmüde und halb erfroren. Wir hatten aber keine Zeit um uns beschweren, wir mussten vor Sonnenaufgang mit dem Styling fertig werden. Stefanie stellte währenddessen die Blumensträuße und Kränze fertig.

Um 8.00 Uhr machten wir uns dann auf den Weg zu unserem ersten Stop: die Cala Agulla. Eigentlich hatten wir einen Sonnenaufgang erwartet, doch der Himmel war mehr als dramatisch. Die Hauptsache war aber, dass es trocken blieb.

 

Nach ca. 2,5 Stunden beendeten wir unser Shooting am ersten Spot und genau in diesem Moment fing es an zu regnen. Was für ein Glück! Unsere Mägen fingen an zu knurren, also fuhren wir in ein nahe liegendes Café, um etwas zu frühstücken. Wirklich viel Auswahl hatten wir leider nicht, weil so gut wie alles ausserhalb der Saison zu hatte. Das war aber nicht schlimm, weil wir sowieso nach einer Stunde aufbrachen, um an der Promenade von Son Moll „spazieren zu gehen“.

Natürlich liefen wir nicht ziellos umher – unser erster und einziger Stop an der Promenade war das Restaurant „Träumeria“ , von welchem ich schon zu Anfang sprach. Wegen Umbauarbeiten aufgrund eines Brandes auf der Dachterrasse, war das Restaurant bis auf Weiteres geschlossen. Da wir irgendwann keine Rückmeldung mehr bekamen, wollten wir auf gut Glück vorbeischauen.

Als wir vor dem Restaurant standen, war alles abgedunkelt. Stefanie war still, aber schaute sich alles an.

„ Ich glaube, dass die Besitzer des Restaurants oben drüber wohnen. Ich rufe da jetzt einfach an!“

Keine zwei Sekunden später nahm jemand den Hörer ab und der Besitzer des Lokals kam zu uns raus. Der liebe Gott hatte wohl meine Gebete vom Vorabend erhört, als ich ihn darum bat, uns nicht noch so einen grauenvollen Tag, wie der Freitag es war, zu bescheren.

Dieser Mann gab mir den Glauben an die Menschheit zurück. Er gab uns den Schlüssel des Restaurants.

„ Ihr könnt euch alles nehmen was ihr braucht, ich freue mich auf die Fotos!“

An dieser Stelle muss ich einfach einen riesigen Dank aussprechen, denn ohne das Geschirr, Besteck, die Tische etc. hätten wir unsere Fotos niemals bei Magazinen einreichen können.

Nachdem wir uns auf der Terrasse einen schönen Tisch ausgesucht und uns auf eine Location für die freie Trauung geeinigt hatten, begann Stefanie mit dem Eindecken des Tisches und dem Dekorieren des „Traualtars“.

Um die Zeit sinnvoll zu nutzen machten Lisa, Phil und ich uns auf den Weg zum Paar- Shooting an der Bucht von Son Moll. Das Shooting an dieser Bucht war mein persönliches Highlight der Reise. Das was ich mir so lange gewünscht hatte, ging endlich in Erfüllung.

Das Wetter und das Licht waren einfach perfekt. Alles was am Vortag geschah, war vergessen.

An diesem Tag war das Glück auf unserer Seite.

Beim Shooten trafen wir übrigens einen kleinen Wiedehopf. Das tut nicht viel zur Sache, aber er war so süß, dass ich euch dieses Foto nicht vorenthalten möchte (sonst bekommt es ja niemals jemand zu Gesicht 😀 )

Als wir wieder bei Stefanie angelangten, war sie bereits fertig mit dem Dekorieren. Nachdem ich den eingedeckten Tisch aus jeder Perspektive fotografiert und ca. drölf Millionen Fotos geknipst hatte, konnte die freie Trauung beginnen. Wir richteten das Kleid für den Einzug, als uns plötzlich ein Herr von hinten folgende Frage zurief:

„Braucht ihr noch einen Trauredner ?“

Ich dachte nur, dass der liebe Gott wohl einiges wiedergutmachen möchte. Dieser Mann kam wie gerufen. Er machte seinen Job wirklich gut und brachte uns alle zum Lachen, was für die Fotos natürlich optimal war.

Nach der Trauung sprangen Lisa und Phil dann noch für ein paar Fotos ins eiskalte Wasser. Anschließend steckten wir Lisa in das zweite Kleid, das wir in den Koffer gepackt hatten. Die Fotos im zweiten Kleid habt ihr mit Sicherheit schon auf unseren sozialen Netzwerken gesehen.

Wenn man Fotostrecken bei Magazinen einreicht kann es Monate dauern, bis diese veröffentlicht werden (wenn sie überhaupt von einem Magazin angenommen werden!).

Damit die Magazine und auch die Blogs ihr Interesse nicht verlieren, muss man die Fotos unter Verschluss halten, bis sie vom Magazin öffentlich gemacht wurden. Das ist der Grund, wieso wir zwei Kleider dabei hatten. Wir wollten euch natürlich vorher schon etwas zeigen können. Wer mich im Januar auf der Hochzeitsmesse in Aschaffenburg besucht hat, hat die Fotos vom Styled-Shooting schon gesehen 😉

Paar am Strand auf Mallorca

Für das zweite Kleid hatten wir allerdings nur noch zehn Minuten Shooting-Zeit, da die Sonne schon unterging. Weil Lisa und Phil genügend Übung aus den letzten Stunden hatten, war es ein Kinderspiel.

An diesem Abend waren wir alle glücklich und zufrieden und ließen den Abend gemütlich in einem Restaurant neben unserem Hotel ausklingen.

Da uns einige Bildmotive fehlten, mussten wir am Sonntag vor dem Rückflug früh aufstehen und noch einmal zum Strand fahren. An diesem Morgen zeigte Mallorca uns dann nochmal, wie wunderschön es auch im Dezember sein kann!

Der ganze Ärger, das Geld, der Stress und die Mühen haben sich gelohnt: Im Sommer werden unsere Fotos in der WEDDINGSYTLE zu sehen sein.

Ich freue mich unwahrscheinlich auf den Tag, an dem ich das Magazin im Handel sehen werde!

Vielen Dank an alle Beteiligten. Ihr habt mein Portfolio enorm bereichert. Diesen Trip werde ich nie vergessen. Pech und Glück lagen so nah beieinander und haben mir gezeigt, dass man selbst an regnerischen Tagen nicht den Kopf in den Sand stecken sollte! Wenn der Freitag nicht so mies gelaufen wäre, hätten wir den Samstag vielleicht nicht so sehr zu schätzen gewusst!

Eure Désirée