Wie alles begann

14. April 2019

Die Fotografie begleitet mich schon mein ganzes Leben. Und obwohl mir einige schon jahrelang folgen, bekomme ich immer noch sehr oft die Frage gestellt, wie ich denn eigentlich zur Fotografie gekommen bin. Ich möchte euch in diesem Blogpost auf eine kleine Zeitreise mitnehmen. Eine Reise in meine Kindheit.

Als ich noch ein Baby war, war meine Mutter mein persönlicher Paparazzi. Es ist wirklich unglaublich, wie viele Fotoalben sie mit liebevoller Handarbeit gestaltet hat. Fotoalben sind für mich etwas ganz Besonderes. Man kann sie sich immer wieder anschauen, ohne sich zu langweilen. Fotos erzählen auf eine ganz besondere Art und Weise Geschichten.

Ich bin mittlerweile 27 Jahre alt. Als ich klein war, gab es natürlich noch keine digitale Fotografie. Da gab es keine Smartphones oder Digitalkameras. Es gab auch keine Speicherkarten, die du mit tausenden von Bildern befüllen konntest.
Die jungen Leser unter euch können sich wahrscheinlich garnicht vorstellen, wie das früher alles war. Wir hatten damals analoge Kameras, in welche man einen „Film“ einsetzen konnte. Mit diesem Film konnten wir 36 Fotos schießen. Heutzutage unvorstellbar.

Bei 36 Schüssen machte man sich noch genau Gedanken über das Motiv und die Gestaltung des Bildes, denn analoge Fotografie war und ist sehr teuer.
Die analoge Fotografie sorgt bei vielen Menschen für einen gewissen Nervenkitzel, denn ob die Fotos tatsächlich etwas geworden waren wusstest du erst, nachdem sie entwickelt wurden.
Wer keine Dunkelkammer hatte, konnte seine Fotos einfach in Drogeriemärkten oder bei Fotografen abgeben. Diese haben die Arbeit dann für einen übernommen und nach 1-2 Wochen konnte man die Fotos abholen.

Als wir damals unsere Familie auf Sardinien besuchten, hatten wir insgesamt sechs Filme voll gemacht. Das sind insgesamt 216 Fotos. Könnt ihr euch vorstellen, in zwei Wochen Urlaub nur 216 Fotos zu machen? Für uns war das damals wahnsinnig viel. Nach dem Urlaub war ich ganz ungeduldig. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie wir aufgeregt zum Fotoregal im Schlecker (Drogerie-Filialen bis 2012) rannten. Ok, ich rannte und meine Mama lief hinter mir her 😀
Ich konnte es kaum abwarten, die Fotomappe zu Hause zu öffnen um die Fotos anzusehen.

Ich erinnere mich an drei verschiedene, analoge Kameras meiner Mutter. Eine Sofortbildkamera, eine Kompaktkamera und eine Spiegelreflexkamera.
Vielleicht hatte sie mehr, ich erinnere mich aber bloß an diese drei und mit den zwei letzten dufte ich sogar fotografieren.
Meine Schwestern und mein Hund Rudi waren meine ersten Modelle.

Ich gestaltete liebevoll Settings in meinem Zimmer und drückte mit Bedacht auf den Auslöser. Das machte ich viele Jahre. Sowohl vor, als auch hinter der Kamera.
Im Jugendalter kaufte mein Vater dann unseren ersten Computer und nach ca. drei Jahren sogar eine kleine Digitalkamera. Immer wieder schnappte ich sie mir und machte gemeinsam mit meinen Freunden Fotos. Die Fotos sollten aber gesehen werden, also gestaltete ich mir damals meinen ersten „Blog“ über msn. Vielleicht kennt ihr ja noch „msn Spaces“? 
Ich berichtete einem Tagebuch ähnelnd, was an den Wochenenden geschah und fügte immer wieder die Fotos ein, die entstanden waren. Meine Freunde und ich freuten uns darüber, dass das Geschehene irgendwo festgehalten wurde. Ich bekam schon damals positive Rückmeldungen zu meine Schreibstil und meinen Fotos. Mit 13-14 denken aber viele noch nicht über Eventualitäten nach. Hätte ich mal machen sollen, hätte mir eine Menge Ärger und Stress erspart 😀

Als ich dann mit 15 Jahren von Frankfurt nach Groß-Umstadt zog, kaufte ich mir endlich meine ganz eigene Digitalkamera. Auch sie war mein stetiger Begleiter. Egal ob bei der Kommunion meiner Schwestern, Geburtstagen, meiner Firmung, meiner Abschlussfeier oder der Abschlussball: die Kamera war immer dabei! Auf dem Abschlussball fiel sie dann leider in das volle Waschbecken und dann war erstmal für eine Weile Sendepause.

Als Lionel auf die Welt kam, wurde mir eine neue Digitalkamera geschenkt. Diese war allerdings batteriebetrieben. Zu Anfang war das für mich kein Problem. Zum Problem wurde es erst, als ich Lionels erstes Lachen fotografisch festhalten wollte und die Kamera in genau
diesem Augenblick ausging. Ich denke, dass jede Mutter das Leid, das ich in diesem Moment verspürte nachempfinden kann. Ich war so sauer, dass ich mein Sparschwein köpfte, 500 € herausnahm und ohne zurückzublicken 2,5 Kilometer zum Elektromarkt lief.
An diesem Tag kaufte ich mir meine erste Spiegelreflexkamera.
Endlich konnte ich die Entwicklung meines Sohnes festhalten. Lionel wurde zu meinem neuen „Model“. Immer wieder dachte ich mir lustige Sets aus und zeigte diese auf meinem Facebook-Account. Meine Fotos fanden Beachtung, was ich in dieser Form garnicht gewohnt war. Auch aus der Schule kamen immer mehr positive Rückmeldungen und mein Lehrer sagte, dass er meine Stärken ganz klar in der Fotografie sieht. Sätze, die ich damals nicht ernst nahm.

Am 24. Januar 2013, da war Lionel zwei Jahre alt, gründete ich meine Facebook-Page. Was zu Anfang bloß ein Hobby war, entwickelte sich rasch zu einem Beruf, da immer mehr Menschen fragten, ob ich sie nicht auch mal für Geld fotografieren könnte.
Am 1.9.2013 meldete ich mein Kleingewerbe an und begann schon einen Monat danach mit meinem Studium „Kommunikationsdesign“.
Während meines Studiums arbeitete ich hart an meinem Social-Media Auftritt. Ich etablierte mich in unserer Umgebung durch Mundpropaganda schnell als Hochzeitsfotografin und durfte jedes Wochenende die verschiedensten Menschen kennenlernen.
Weil ich immer großen Respekt vor der Selbstständigkeit hatte und mich während meines Praxissemesters fürchterliche Zukunftsängste plagten, wollte ich nach meinem Studium nicht Hauptberuflich von der Fotografie leben. Ich werde nie den Satz vergessen, den Siar 2016 zu mir sagte:

„Wieso gibst du dir den ganzen Stress, wenn du das nicht hauptberuflich machen möchtest?“

Er kann sich mit Sicherheit nicht mehr an diesen Spruch erinnern, bei mir hat er damals aber ordentlich gesessen und mich wirklich sehr zum Nachdenken gebracht.
Nachdem mein ehemaliger Chef mir Mut zusprach, ging im Februar 2016 mein Blog online. 
Damals schaffte ich es noch, wöchentlich zu bloggen. Irgendwann hatte ich so viele Aufträge, dass ich nicht mehr regelmäßig bloggen konnte. Von Montag bis Freitag arbeitete ich in der Agentur in Frankfurt und jedes zweite Wochenende hatte ich meine eigenen Aufträge.

Meine Tage waren lang und meine Nächte kurz.
Ich wusste aber mittlerweile, wofür ich das alles tat, denn nach meinem Studium (Juli 2017) wagte ich endlich den entscheidenen Schritt: Ich ging in die volle Selbstständigkeit!

Ein Schritt, den ich bis heute keine Sekunde bereut habe. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Mein Sohn sieht mich jeden Tag nach der Schule, während andere Kinder bis spät nachmittags im Hort sitzen. Damals wurde ich von vielen Menschen belächelt, heute ziehen diese Leute den Hut vor mir. Ja, ich bin wahnsinnig stolz, wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke. Und das darf ich auch sein. Ich habe mir mein Business hart erarbeitet und habe es als allein erziehende Mutter, mit vielen Steinen, die mir in den Weg gelegt wurden, geschafft.

Jetzt sitze ich hier auf meiner Couch, schaue auf meine Uhr und sehe, dass ich noch Zeit habe, bis mein Sohn nach Hause kommt. Wisst ihr was das heißt?
Ich werde ganz entspannt die Wäsche aufhängen, kochen und anschließend einen Tee auf meinem Balkon trinken. Ich werde in den blauen Himmel schauen und ich werde mich darüber freuen, dass ich ihn von zu Hause aus und nicht aus irgendeinem Büro betrachten kann. Ich kann die Osterferien entspannt mit meinem Sohn verbringen, ohne irgendwo Urlaub einreichen zu müssen.

So liebe Leute, kam ich zur Fotografie.

Lebst du schon oder arbeitest du noch?